„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“
„Eli, Eli, oh Gott, mein Gott lass das niemals vergeht der Sand und das Meer, das Rauschen des Wassers, der Blitz des Himmels und der Menschen Gebet“ als Salomea Genin das Lied anstimmte, um den Opfern der Shoah aus unserer Nachbarschaft zu gedenken, waren alle Anwesen-den tief berührt.
Über 30 Bürgerinnen und Bürger waren am 9. August gekommen, um zusammen mit der SPD-Südstern in Kreuzberg den Ersten Stolpersteinrundgang zu unternehmen. „Ziel des Stolpersteinrundgangs ist es, die Stolpersteine in den Kiez zu integrieren. Sie nicht nur liegen zu lassen, sondern sie zu pflegen und an die Verstorbenen zu erinnern“, erklärt die Abteilungsvorsitzende Martina Hartleib.
Los ging es in der Graefestraße 3. Hier wohnten Jenny und Isidor Bukofzer. In ihren Akten findet man Informationen über den Vermögensstand und Mietforderungen für die Zeit nach Deportation. „Letztlich Dinge, die einen Menschen nicht ausma-chen. Doch wir wollen an die Namen erinnern, denn ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, so Dr. Michael Nentwich, der sich auf Spurensuche begeben und die Lebensläufe unserer ehemaligen Nachbarn recherchiert hat.
Ab 1939 mussten Berliner Juden umziehen und wurden in „Judenwohnungen“ zusam-mengepfercht. Die Wohnung der Bukofzers war so eine. Im Februar 1943 stürmte die SS die Wohnung der Bukofzers und verschleppten sie. Sie wurden am 17. März 1943 mit dem vierten großen Alterstransport nach Theresienstadt gebracht. Dort sind sie umgekommen. Am 17. Mai 1943 meldete Goebbels an Hitler: „Berlin ist judenfrei“.
„Warum haben sich die Menschen denn nicht ein-fach versteckt?“, fragte einer der Teilnehmer. „Um im Verborgenen zu überleben brauchte man min-destens drei Helfer. Die mussten bereit sein, ihr Leben zu riskieren. 11.000 Menschen haben in Berlin überlebt, da kann man sich ausrechnen, wie viele Helfer es gab“, so Salomea Genin.
Zum Stolpersteinrundgang gehört auch das Reini-gen der Steine, deren goldener Glanz über die Jahre dunkel geworden ist: Tatkräftig ging der SPD-Kreisvorsitzende Dr. Jan Stöß ans Werk und putzte den ersten Stolperstein, der bald wieder golden glänzte. Den nächsten schrubbte Björn Böhning, SPD-Kandidat für Friedrichshain-Kreuzberg, sauber. „Wenn die Steine golden glänzen, dann wird den Verstorbenen gleich viel würdiger gedacht“, zeigte sich Böhning überzeugt.
Der Stolpersteinrundgang endete in der Narr Bar. Hier erzählte Salomea Genin ihre spannende Le-bensgeschichte. „Ich bin 1932 in Berlin geboren worden. Meine Mutter gab mir den Namen Salo-mea, da riet ihr die Krankenschwester, sie solle mich Loni nennen, damit nicht jeder gleich erkennen kann, dass ich Jüdin bin.“
Die Kinder in der Nachbarschaft setzten Salomea zu und beschimpften und verprügelten sie, weil sie Jüdin war. Im Mai 1939 gelang der Familie die Ausreise nach Australien. Da war Salomea 6 Jahre alt und für immer geprägt.
Ihre Lebensgeschichte ist in ihrem Buch „Ich folgte den falschen Göttern“ nachzulesen, das gleich von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern erworben wurde. Sie nutzten auch die Gelegenheit, um sich ihr Exemplar signieren zu lassen. Zum Schluss waren sich alle einig: Ein lehrreicher und interessanter Rundgang.





Jenny Bukofzer was my great grandmother. The emotion I feel when I read this article is unbelivable. Thanks for help keeping her memory alive. She resided with Isador her husband at this particular address.