Manuela Schwesig zu Gast im Wahlkreis von Björn Böhning
Am 24. August 2009 besuchte Björn Böhning gemeinsam mit Manuela Schwesig, Ministerin für Soziales und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern und im Team Steinmeier zuständig für Familien-, Jugend-, Frauen- und Seniorenpolitik, das Familienzentrum am Mehringdamm. Die offene Kinderbetreuungsstätte, seit 2007 im Pestalozzi-Fröbel-Haus und mit einem umfangreichen Angebot für Kinder und Eltern, freute sich über den Besuch der beiden SPD-Politiker.
Böhning und Schwesig nutzten die Gelegenheit, um mit Eltern und Erziehern über verbesserte Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sprechen. Zudem machten der SPD-Bundestagskandidat und die Ministerin deutlich, dass sie sich in Zukunft verstärkt für den qualitativen Ausbau und vor allem einen kostenfreien Zugang zu Kitas einsetzen wollen
Im Anschluss an den Besuch im Familienzentrum diskutierte Böhning mit Manuela Schwesig, der Bundesvorsitzenden der Jusos Franziska Drohsel und der Autorin Tanja Dückers im „WAHLlokal“ der Jusos in Berlin-Friedrichshain über die Geschlechterverteilung in der heutigen Gesellschaft. „Die SPD hat eine starke Frauenpolitik“ stellte SPD-Bundestagskandidat als Moderator der Veranstaltung dabei zu Beginn fest.
Eine Kanzlerin garantiere keine gleichberechtigte Gesellschaft, so Schwesig. „Wenn Frauen in der Führung sind, wird nicht gleich viel für Frauen gemacht.“ Auf die Einführung von Elternurlaub für Väter – den so genannten Partnermonaten – durch die Große Koalition ist Schwesig aber stolz, auch wenn sie für einen längeren Zeitraum plädierte: „Lasst die Männer zwei Monate Partnermonate machen, das ist mehr wert als ein Managerkurs über Organisationsstrukturen und soziale Kompetenz.“
Schwesig forderte eine Quote von 40% Frauen in den Aufsichtsräten wie sie in Norwegen bereits existiert, gleiche Löhne für gleiche Arbeit und familienfreundliche Arbeitsplätze. Früher galt der Kampf der Frauen nicht „Mütter der Nation zu sein. Heute müsse die Politik wegen der demografischen Lage aufpassen, dass Frauen nicht zu „Pflegekräften der Nation“ werden. Schwesig kritisierte vor allem die Ursula-van-der-Leyen-Politik, die stets von Frauen mehr Kinder fordere anstatt die Kinder zu unterstützen, die da sind. Daher setze sie sich für das Modell des „Familiensplittings“ ein: Steuervorteile, da wo Kinder sind. So würden auch Alleinerziehende gestärkt.
Ebenso hielt es Drohsel für einen Irrtum, dass Frauen und Männer heutzutage gleiche Chancen haben: „Die Strukturen sind immer noch patriarchalisch geprägt mit Klüngelrunden, auf die Frauen keinen Zutritt oder keinen Bock haben. Immer noch stellen sich Frauen die `Karriere- plus/oder Kind-Frage`.“ Das sah Dückers genauso: Die heutigen Frauen kämpfen für die ähnlichen Dinge wie die 68-er Generation. Deshalb gehöre Feminismus historisch nicht geortet. Um Gleichberechtigung zu erreichen, ermutigte sie vor allem Männern mitzuziehen.
Berichte von den Diskutantinnen belegten das Ungleichgewicht Frau – Mann im Berufsalltag. Als Promovierende im Fach Jura erlebt Drohsel, dass die Anzahl der Professorinnen an der Uni sowie der Richterinnen im Verfassungsgericht weitaus geringer ist als die Anzahl der männlichen Kollegen. Daher hätte sie nichts gegen Quote für Frauen im öffentlichen Dienst einzuwenden.
Dückers bestätigte, dass selbst im Kulturbetrieb, wo es am ehesten vermutet werde, der moderne Mann nicht existiere. Die Kulturbranche sei auch nur ein Wirtschaftszweig. Von Frauen werden meist Liebesgeschichten erwartet. Zudem erinnerte sich Dückers wie sie und weitere Kolleginnen in den 1990er Jahren als „Fräuleinwunder“ von der Literaturkritik bezeichnet wurden. Welcher Autor wird denn bitte „Männleinwunder“ genannt? Rezensionen über Lesungen von Autorinnen behandeln eher die Frage der Kleidung als den Inhalt.
Schließlich wies Schwesig darauf hin: „Egal, was eine Frau sagt und tut, sie wird immer dreimal beleuchtet und muss sich immer rechtfertigen. Dabei wollen wir uns wie Männer einfach für Sachen einsetzen, für die wir stehen. Auch wir Frauen sollten uns gegenseitig etwas gönnen.“




