Öffentliche Daseinsvorsorge sichern und Ausbauen!

September 4, 2009 von Björn  
Filed under Allgemein, Positionen

Die öffentliche Daseinsvorsorge ist das Rückgrat unseres Alltags. Sie versorgt unsere Elektrogeräte mit Strom, sorgt für fließendes Wasser, stellt Betreuung und Bildung von der Jugend bis ins hohe Alter bereit und bringt uns ohne Auto zu allen Orten in der Bundesrepublik und darüber hinaus. Der Staat ist dabei in der demokratischen Verantwortung, den Zugang zu diesen Leistungen für alle Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Insbesondere den kommunalen Unternehmen kommt bei der Sicherung eine wichtige Rolle zu.

Zugleich müssen wir jedoch feststellen, dass in den vergangenen 20 Jahren eine Vielzahl an öffentlichen Unternehmen privatisiert oder teilprivatisiert wurden. Sei es, weil man sich durch mehr Wettbewerb sinkende Preise und besseren Service versprach, dringend Geld für den öffentlichen Haushalt benötigte und dafür das „Tafelsilber“ hergab oder aber weil die Europäische Union im Rahmen des freien Binnenmarkts dies einforderte. Nicht erst seit der derzeitigen Wirtschaftskrise ist  offensichtlich, dass viele Hoffnungen nicht erfüllt wurden. Ehemals staatliche Monopolisten wurden zu privaten Quasi-Monopolen und Oligopolen, statt weniger müssen viele Bürgerinnen und Bürger aus Renditegründen nun mehr zahlen und statt mehr Service zu bieten streichen die privaten Unternehmen unrentable Angebote aus dem Programm. Zudem fehlen den Städten und Gemeinden nach dem schnell wieder ausgegebenen Geld nun die langfristigen Einnahmen für den Haushalt. Diese Entwicklung hat auch vor Berlin nicht halt gemacht und reicht bis in die letzten Jahre hinein: Bewag- und Gasag-Privatisierung, Teilprivatisierung der Wasserbetriebe und Verkauf von öffentlichen Wohnungen – all dies hat häufig negative Spuren in der Stadt hinterlassen.

Nachdem der Privatisierungswahn weitgehend ein Ende gefunden hat, wird es an der Zeit, die negativen Auswirkungen zu bekämpfen! Dort, wo die Privatisierung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, muss der Staat regulativ Rahmen setzen, die die Verbraucherinnen und Verbraucher schützen, langfristige Investitionen befördern und qualitativ hochwertige Arbeitsplätze sichern und schaffen. Die ausgesetzte Bahnprivatisierung muss ganz gestoppt und die Interessen der Bahnkunden wieder vor die Gewinninteressen der Bahn AG gestellt werden. Und schließlich sollte bei neuen öffentlichen Bedürfnissen, wie bei der W-Lan- und Breitbandtechnik für das Internet, darüber nachgedacht werden, ob dies durch die öffentliche Hand angeboten werden kann. Daher muss das geplante kostenlose W-Lan-Netz für Berlin weiter verfolgt werden. Dafür setze ich mich ein!

Kommentare

eine Antwort zu “Öffentliche Daseinsvorsorge sichern und Ausbauen!”
  1. Susanne Fink sagt:

    Hallo Herr Böhning,
    ich teile Ihre Ansichten zur Privatisierung öffentlicher Güter. Ich finde es traurig, dass Bund, Länder und Kommunen in jüngster Zeit immer mehr Einrichtungen der Daseinsvorsorge wegen kurzfristiger Liquiditäts- und Gewinnziele privatisiert haben. Vor allem die Cross Boarder Leasing Geschäfte haben sich in der Finanzkrise als fatal herausgestellt.
    Daher schätze ich Ihr oben geäußertes Ansehen, sich gegen jede weitere Privatisierung (z.B. des Börsengangs der DB) einzusetzen.
    Allerdings bezweifel ich, dass das Land Berlin genug Geld für ein kostenloses W-Lan-Netz hat. Damit auch arme Familien/Menschen Zugang zum Internet erhalten, fände ich gut, wenn in öffentlichen Einrichtungen und/oder bei der Arbeitsagentur ein kostenfreier Zugang angeboten wird. Aber Menschen mit vernünftigen Einkommen können ihren Telefon-/Internetanschluss auch bezahlen. Ich bezahle auch gerne die GEZ-Gebühr, weil ich hauptsächlich die öffentlich-rechtlichen Programme höre und sehe. Das sage ich auch bewusst im Freundeskreis. Öffentlich-rechtliches kann auch den Bürger etwas kosten.
    Trotzdem, viel Erfolg bei der Wahl!

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