Das Internet-Manifest und was für die Politik daraus folgen muss
September 9, 2009 von ulricho
Filed under Allgemein, Positionen, Soziale Stadt
Einige Vordenker aus der Blogosphäre haben gestern das „Internet-Manifest“ online gestellt. Hier finden sich 17 Thesen zum Journalismus im Internet (saschalobo.com). Basierend auf Grundannahmen leiten Sie ein Konzept für den Journalismus der Zukunft ab.
Die Grundannahmen zeigen ein klares, aufgeklärtes Bild einer vernetzten Welt, in dem ich meine Idee eines zukunftsfähigen Internets wiederentdecke. Ich möchte daher aus den wichtigsten Thesen der Erstunterzeichner politische Forderungen ableiten. Diese verstehen sich als Ansatz zu einem Katalog für eine neue Netzpolitik, die ich in den Bundestag bringe.
„Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet“
Die Politik darf das Internet nicht als eine Parallelwelt verstehen. Für mich ist ein Umgang mit diesem Medium selbstverständlich, ich fordere alle Beteiligten in der Politik auf, vorbehaltslos auf das Internet und die Netzbürgerinnen und -bürger zuzugehen.
„Die Freiheit des Internet ist unantastbar“
Das Internet hat seine Erfolgsgeschichte als ein offenes Netz zur grenzenlosen Kommunikation Aller geschrieben. Filter und Blockaden dürfen dieses Grundprinzip nicht beeinträchtigen, das Zugangs- erschwernisgesetz darf nicht in Kraft treten!
„Das Netz verlangt Vernetzung“
Eine Gesellschaft, in der die gesellschaftliche Teilhabe unbedingt auch die Teilhabe am Netzleben bedeutet, muss eine Infrastruktur schaffen, die allen Menschen überall freien Internetzugang gewährt. Alle Bürgerinnen und Bürger müssen an allen Sie betreffenden Prozessen Teilhabe im Internet nehmen können. eGovernment darf keine singuläre Erscheinung sein, sondern muss als gesamtgesellschaftliches Ziel verstanden werden.
„Mehr ist Mehr – es gibt kein Zuviel an Informationen“
Alle öffentlichen Entscheidungen müssen im Internet auch öffentlich nachvollziehbar sein. Ein politischer Diskurs kann nur entstehen, wo alle Menschen gleich gut informiert werden können. Das Internet ist das kostengünstigste Mittel, politische Öffentlichkeit herzustellen. Die Information aller verstehe ich nicht als Holschuld der Bürgerinnen und Bürger, sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
„Tradition ist kein Geschäftsmodell“
Nach der Umwälzung durch die Internetrevolution müssen wir die rechtlichen und geschäftlichen Bedingungen an neue Gegebenheiten anpassen. Zur Refinanzierung kultureller Arbeit im Netz ist eine Kulturflatrate der richtige Ansatz!
„Was im Netz ist, bleibt im Netz“
Jeder Mensch muss selbstbestimmt mit seinen Informationen im Internet umgehen können. Ich werde mich für einen konsequenten Datenschutz einsetzen: die Preisgabe privater Daten durch Anbieter muss zustimmungspflichtig sein!
„Alle für Alle“
Der Umgang mit Informationen aus dem Internet bietet große Möglichkeiten, erfordert aber auch eine hohe Medienkompetenz. Diese den Bürgerinnen und Bürger zu vermitteln, ist eine staatliche Aufgabe. Ich setze mich dafür ein, dass neben der schulischen und universitären Bildung auch lebenslanges Lernen pädagogisch und technisch unterstützt wird.
Nun möchte ich noch einen Grundsatz ergänzen:
„Wo die Gesellschaft investiert, muss die Gesellschaft profitieren“
Softwarepatente schränken die Innovation ein und stärken Kartelle. Trivialpatente und Abmahnwellen behindern die kreative Entfaltung. Die Zukunft meines Wahlkreises wird maßgeblich durch die Entfaltung der Kreativwirtschaft bestimmt. Ich werde Kreative schützen und mich für offene Standards einsetzen!
Dieser Forderungskatalog darf nicht als statisch verstanden werden. Ich freue mich auf Eure Kommentare, damit dieser Katalog weiter wächst. Wir brauchen jetzt einen Wechsel im Denken und Handeln für eine neue fortschrittliche Netzpolitik im Bundestag!
Euer Björn Böhning









“Die Politik darf das Internet nicht als eine Parallelwelt verstehen. (…) ich fordere alle Beteiligten in der Politik auf, vorbehaltslos auf das Internet und die Netzbürgerinnen und -bürger zuzugehen.”
Genau das ist doch das Problem: Solange wir von Netzbürgern (oder Internetnutzern) sprechen, leben die Parallelwelten in den Köpfen.
Ich hab mal was zu dem Kiezduell gebloggt auf dem Björn auch war (auf Schtief klicken
ausgerechnet SL als Quelle? Oje….#epicfail
interessant zu sehen, wie die Welle gegen das Manifest langsam (s.a Netzeitung.de) ignorant unter den Tisch gekehrt wird.
Ihr wollt doch diesen Fehlschuss nicht tatsächlich und ernsthaft weiterbetrachten?