Kulturflatrate: Konsens oder Nonsens? Bericht vom Tweetup mit Tim Renner
März 12, 2010 von Sebastian
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Wer oder was ist eine Kulturflatrate, und ist sie wirklich sinnvoll? Darum entwickelte sich am 11. März abends im betahaus eine anregende Diskussion. Björn Böhning und Tim Renner, Geschäftsführer der motor entertainment GmbH, machten deutlich, dass die scheinbaren Gegensätzen zwischen der Freiheit im Netz und den berechtigten Ansprüchen der Kulturschaffenden an ihren Kulturgütern bzw. deren Vergütung in einem zukunftsfähigen Modell überwunden werden müssen.
Björn Böhning betonte, dass der Weg in neue Diskussionen über Sperren, wie er in Frankreich mit dem „Three Strikes-Ansatz“ gerade eingeführt worden ist, verhindert werden muss. Dazu ist der Widerstand gegen Netzsperren in Deutschland eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Es müssen fakultative Alternativen der Vergütung sowie des Vertriebs von Kulturgütern gefunden werden, die sowohl für die User als auch die Kulturschaffenden attraktiv sind. Die Kritik der Musikindustrie an einer Kulturflatrate offenbare nur die offensichtliche Hilflosigkeit der Wirtschaft, sich neuen gesamtgesellschaftlichen Modellen zu öffnen.
Tim Renner betonte, dass das Festhalten an den klassischen Vertriebswegen und tradierten Vergütungsmodellen eigentlich nur den wenigen sehr bekannten und damit sehr gut verdienenden „Stars“ nutzen würde. Schon die Musikindustrie müsse erkennen, dass Ihr Festhalten an den klassischen Vertriebs- und Vergütungsmodellen, zu einem Niedergang im digitalen Zeitalter führen könne. Das Internet als freies Distributionsmedium sei nicht mehr aufzuhalten. Vielmehr sollten intelligente andere Modelle die Interessen der User, Künstler sowie der Produzenten in Einklang bringen. Dazu halte er weiterhin einen „Kreativ-Pakt“, wie ihn Frank-Walter Steinmeier vorgeschlagen hatte, für sinnvoll, um zu nachhaltigen Lösungen zu kommen.
Einigkeit bestand darin, dass eine Kulturflatrate ein freiwilliges Modell sein müsse, dass den Usern für eine bestimmte Abgabe hochwertige Musik- und Kulturgüter zum download freistellt. Dazu müssten die ISP’s zur Kooperation gebracht werden, statt sich nur dem Druck der Sperrenlobby zu beugen.
Björn Böhning erläuterte, dass die SPD ein zukunftsfähiges Modell einer Kulturflatrate in den nächsten zwei Jahren erarbeiten wird. Dazu werden noch einige Widerstände – insbesondere auch der Printindustrie – zu überwinden sein. Daher wird der nächste politische tweetup im Mai sich des Themas „Das Leistungsschutzrecht – auf dem Weg zur „Zitier-GEMA?“ annehmen.
Die nächste Veranstaltung wird vermutlich ebenfalls im betahaus stattfinden. Nochmals herzlichen Dank für die Unterstützung an das betahaus für die Location und compuccino für die Twitterwall!








