Zeit für mehr Integration
September 11, 2009 by ulricho
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Die Bundesrepublik Deutschland wird heute selbst von konservativer Seite als Einwanderungsland anerkannt. Das an sich, ist schon ein Fortschritt in der Debatte um die Integration der Migrantinnen und Migranten in Deutschland, denn dies zu leugnen bedeutet die Realitäten in unserem Land zu verkennen: Nach den letzten Erhebungen des Statistischen Bundesamts haben 15,3 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Zugleich erleben wir alle jedoch im Alltag, dass das Zusammenleben der vielfältigen Gruppen von Missverständnissen, Spannungen und Vorurteilen geprägt ist.
Es wird häufig erklärt, dass “Integration keine Einbahnstraße ist”. Leider müssen wir jedoch feststellen, dass die sog. “Mehrheitsgesellschaft” daraus allzu häufig nicht die Frage ableitet, was sie dafür tun kann, um die Integration voran zu bringen. Vielmehr richtet sich die Mehrzahl der praktischen Handlungsansätze und Vorschläge ausschließlich auf Forderungen, die an die Gruppe der Migrantinnen und Migranten gerichtet sind. Im Mittelpunkt stehen Appelle an die Einwanderer und ihre Kinder, sich in die Gesellschaft zu “integrieren”, die deutsche Sprache zu lernen und ihre vermeintlich hinderlichen kulturellen Prägungen aufzugeben. Die strukturellen Gründe für die nach wie vor großen Benachteiligungen für Menschen mit Migrationshintergrund vor allem im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt geraten allzu häufig aus dem Blick.
Auch in der Integrationspolitik gilt: bessere Bildung führt zu mehr gesellschaftlicher Teilhabe. Dabei ist zu beachten, dass es den “Einheitsmigranten” nicht gibt. Darum ist für erfolgreiche Integration auch individuelle Unterstützung und Förderung notwendig. Wichtig ist, die Eltern schon früh in den Bildungsprozess einzubinden, da der Rückhalt, den die Kinder im Elternhaus erfahren, entscheidend ist für den späteren Bildungserfolg. Daher treten ich dafür ein, dass
· Kinder im Kindergarten Sprachbarrieren einreißen können – durch mehr Erzieherinnen und Erzieher mit Migrationshintergrund.
· Schüler in der Schule ebenfalls eine intensive Betreuung genießen können – durch die Einführung von Sozialpädagogen in jedem Schul-Jahrgang.
· Kinder und Jugendliche aus finanziell schlechter gestellten Familien gleiche Zugangschancen zu Bildung haben – durch kostenfreie Bildungswege; von der Kita bis zu beruflichen Aus- und Weiterbildung.
Schließlich gilt es, die Alltagsdiskriminierung zu bekämpfen. Neben der Ausschöpfung der rechtlichen Mittel ist hierzu insbesondere notwendig, dass sich alle für die vorhandenen kulturellen Unterschiede öffnen und sie nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung verstehen.








