Literaturnobelpreisträger Günter Grass zu Gast im Wahlkreis

September 9, 2009 by ulricho  
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Am Dienstag, dem 8. September hatte ich, gebürtiger Lübecker, die Ehre, Literaturnobelpreisträger Günter Grass -und ca. 40 internationale Medienvertreter- vor seiner Lesereise durch den Osten Deutschlands zum Presseauftakt in die Berlinische Galerie einzuladen.

Kultur im Dialog der Generationen, so der Titel der Veranstaltung, impliziert für mich die Verpflichtung, von den Erfahrungen und dem politischen Engagement Grass’ zu lernen, aber auch den Dialog zu erweitern, so dass auch die jungen Erwachsenen, die statt Wehrdienst die Entscheidung getroffen haben, ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur (FSJ Kultur) in der Berlinischen Galerie zu absolvieren, zu Wort kommen sollten.

Das FSJ Kultur ist eine wichtige Sache, denn die Freiwilligen leisten einen großen Beitrag im Bereich Soziales und Kultur. Gleichermaßen gehen die Einsatzorte auch eine große Verantwortung ein, denn, so Prof. Jörg Merkert, Direktor der Berlinischen Galerie, sind die Aufgaben im Kulturbereich auch immer eine Gratwanderung zum Ausbeuterischen.

Einsatzstelle zu sein, ist jedoch auch ganz klar ein Privileg der Institutionen, die sich die finanzielle Eigenbeteiligung von 350 Euro im Monat leisten können. Dies sind zurzeit in meinem Wahlkreis fast 20 Einsatzstellen, aber es müssen mehr sein, erklärt die  Koordinatorin der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Berlin e.V. Dörte Scheurich am Rande der Veranstaltung, „es muss eine gezielte finanzielle Förderung für die kleineren Kultureinrichtungen oder die der kulturellen Jugendbildung  geben, die es sich schlicht finanziell nicht leisten können, die aber an der kulturellen Basis eine wichtige Arbeit leisten und für die die Unterstützung durch engagierte Freiwillige extrem wertvoll ist.“ Auch müsste das Taschengeld für die Freiwilligen dringend angehoben werden, was aber angesichts der niedrigen Förderpauschalen derzeit nicht möglich ist. „Es kann nicht sein, dass die Freiwilligen entweder weiter von ihren Eltern oder von Hartz IV abhängig sind, obwohl sie Vollzeit arbeiten“, so Dörte Scheurich.

Ein eindrückliches Beispiel ist für mich die Kreuzberger Musikalische Aktion (KMA), Geburtsstätte von Culcha Candela, die durch ein offenes und niedrigschwelliges Angebot, multikulturelle Prozesse fördert und bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen soziale und kulturelle Kompetenzen weckt. Kulturbetriebe wie die KMA können sich den Einsatz von Freiwilligen seit einigen Jahren nicht mehr leisten.

Ich setze mich dafür ein, dass auf bezirklicher Ebene und auf  Bundesebene eine soziale Kulturpolitik gemacht wird, die kulturelle Integration und gesellschaftliche Verantwortung in den Mittelpunkt stellt.

Kulturpolitischer Empfang im Jüdischen Museum

„Friedrichshain-Kreuzberg und Prenzlauer Berg ist einer der kulturell spannendsten Wahlkreise der Bundesrepublik“, so eröffnete Björn Böhning den gemütlichen Teil des kulturpolitischen Empfangs des Kulturforums der Sozialdemokratie am Montag, den 9.3., in Berlin. Mehr als 400 Gäste waren in das Jüdische Museum gekommen, um mit der SPD über kulturpolitische Themen zu diskutieren. Björn Böhning setze sich insbesondere für die sozialen Belange der Kulturschaffenden angesichts der Wirtschaftskrise ein: „Die Künstlersozialversicherung muss gestärkt werden, und wir brauchen unbürokratische „Mikrokredite“, damit Kulturschaffende auch in auftragsschwachen Zeiten über die Runden kommen. Dafür werde ich im Bundestag kämpfen!“. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hob die Berliner Kulturlandschaft hervor: Berlin könne stolz sein, auf seine vielfältige Kulturszene. Insgesamt war es ein sehr erfolgreicher und eindrucksvoller Abend mit intensiven Gesprächen zur Zukunft der Berliner Kulturpolitik.