Schluss mit rechten Übergriffen!
Stellungnahme von Björn Böhning zum rechten Angriff auf die B-Jugendmannschaft von Türkiyemspor e.V. in Lindow
Die rechte Gewaltwelle reißt nicht ab. Am Dienstagabend hat es einen Angriff von rechtsextremen Jugendlichen auf die B-Jugendspieler des Fußballvereins Türkiyemspor e.V. gegeben, die sich für ein Trainingslager im brandenburgischen Lindow aufhielten.
Ich verurteile den Angriff und drücke hiermit meine besondere Solidarität mit den Spielern und Betreuern der Nachwuchsmannschaft von Türkiyemspor e.V. aus. Der Verein leistet einen unschätzbaren Beitrag für das interkulturelle Zusammenleben in unserer Stadt. Ich stehe fest an der Seite der Spieler, Vereinsmitglieder und auch der Eltern und Angehörigen.
Es darf nicht sein, dass Menschen in unserer Gesellschaft aufgrund ihrer Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit diskriminiert oder angegriffen werden! Es darf nicht sein, dass Eltern um das Wohl ihrer Kinder fürchten, wenn sie für ein Trainingslager oder ein Fußballspiel in eine andere Stadt reisen!
Wir müssen den Kampf gegen Rechts gemeinsam und kontinuierlich führen. Mobile Beratungsteams und Initiativen zur Opferberatung müssen abgesichert und weiter ausgebaut werden. Mit Nachdruck fordere ich deshalb zur Gründung einer Bundesstiftung für demokratische Kultur auf. Diese sichert die Arbeit der vielen Initiativen gegen Rechts allerorten. Denn nur wenn wir in allen Teilen und Städten des Landes und bei allen gesellschaftlichen Gruppen für ein friedliches und diskriminierungsfreies Miteinander werben, haben wir eine Chance im Kampf gegen Rechts.
Meine Politik aktiv gegen das Vergessen – meine Politik aktiv gegen Rechtsradikalität
01. September 1939: Vor 70 Jahren begann der Zweite Weltkrieg
In Friedrichshain-Kreuzberg wurde vor Jahren begonnen, mit Messingblech überzogene Pflastersteine von dem Kölner Künstler Gunter Demnig zu verlegen. Dies war anfänglich in der Oranienstraße und Dresdenerstraße. Mittlerweile sind es über 500 Stolpersteine im Bürgersteig, versehen mit biografischen Angaben, vor ehemaligen Kreuzberger Wohnadressen, deportierter und ermordeter Gegner und Verfolgten des Nazi-Regimes, verfolgte Berlinerinnen und Berliner, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer gefallen sind.
Diese Kunstaktion hat weite Kreise gezogen, denn ausgehend von den 22 Straßen in Kreuzberg, sind es jetzt weit über 5000 glänzende Erinnerungssteine, die im Gedenken aller Opfer des Nationalsozialismus, nicht nur der jüdischen, in ganz Berlin, mittlerweile jedoch deutschlandweit und auch im Ausland verlegt werden.
Auf Initiative von Bürgerinnen und Bürgern, wird nach wie vor nach dem Schicksal ehemaliger Bewohner geforscht und weitere Verlegungen beim Künstler in Auftrag gegeben.
Dieses bürgerliche Engagement ist generationen-übergreifend und setzt ein Beispiel zur Unterstützung meiner Politik, auf bezirklicher- und auf Bundesebene.
Gleichzeitig sehe ich dieses aktive Erinnern als eine klare Aufforderung, mich politisch mit allen Kräften gegen die erneute Erstarkung nationalsozialistischer und rechtsradikaler Verbindungen einzusetzen, denn erst im Januar 2009 wurde ein Punk am Ostkreuz von drei Neonazis angegriffen. Sie zertrümmerten eine Flasche auf seinem Kopf, übergossen ihn mit Wodka und stachen ihm die Scherben ins Gesicht. Er trug außerdem innere Blutungen durch Tritte in den Bauch davon.
Um die antifaschistische Arbeit der Initiativen gegen Rechts, der Mobilen Beratungsteams oder der Opferinitiativen weiter zu unterstützen setze ich mich seit langem mit Erfolg für die Bundesprogramme gegen Rechts ein. In der kommenden Legislaturperiode des Bundestages muss eine “Stiftung demokratische Kultur” eingerichtet werden, die diese Arbeit dauerhaft sichert und finanziert.
Im Februar dieses Jahres eröffnete das Geschäft “Tromsö” in der Petersburger Straße, das die bei Nazis beliebte Marke ‘Thor Steinar’ vetreibt. Die Adresse wurde bewusst gewählt und darf daher nicht in Vergessenheit geraten: In der Petersburger Straße 94 befand sich in der Zeit des Nationalsozialismus ein Keglerheim, das von der SA als Stammlokal genutzt wurde. Im Keller des Keglerheims wurden Sozialdemokraten und Antifaschisten nach 1933 inhaftiert, gefoltert und ermordet (”Mörderkeller”).
Ich werde daher, zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern nicht aufhören, gegen Rechte Gewalt zu demonstrieren und mich weiterhin für die Forderung und Mitgestaltung einer klare Gesetzgebung gegen Rechts einzusetzen.
Email: Stolpersteine@GDW-Berlin.de http://gegenrechts.wordpress.com/
EINLADUNG: Erinnern für die Zukunft – Ein Filmabend zum Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren
mit Ulrike Merten, Barbara Kisseler und Wolfgang Thierse
Enrique Sánchez Lansch präsentiert seinen Film „Das Reichsorchester“.
Musik und Lieder von Werner Richard Heymann werden arrangiert und gespielt vom Tal Balshai Trio, gesungen von Roman Trekel und Cristiane Roncaglio.
Wann: Am Dienstag, 01. September 2009, 19:30 Uhr im Willy-Brandt-Haus
Wo: In der Stresemannstraße 28, 10963 Berlin
Infos unter:
Kulturforum der Sozialdemokratie, Willy-Brandt-Haus
Sönke Reyels: soenke.reyels@spd.de
Demonstration am Samstag, 18. Juli, um 18 Uhr Start: am Bersarinplatz in Friedrichshain
Am frühen Sonntagmorgen wurde in Berlin-Friedrichshain ein 22-Jähriger von Neonazis lebensbedrohlich verletzt. Nach einer Auseinandersetzung mit einer anderen Gruppe warteten die vier Faschisten auf ein beliebiges Opfer. Zwei Männer konnten flüchten, der junge Mann aus Neukölln nicht.
Nachdem er unter Schlägen und Tritten das Bewusstsein verloren hatte, zerrten die Täter ihn auf den Gehweg, legten ihn mit dem Gesicht nach unten ab und sprangen auf seinen Hinterkopf. Er wurde mit Hirnblutungen, einem Jochbeinbruch und schweren Prellungen in die Notaufnahme eingeliefert.
Wäre ich an diesem Morgen dort gewesen, läge ich jetzt im Krankenhaus.
Es hätte Euch treffen können, weil Ihr gekuckt hättet, Eure FreundInnen, jeden mit einem Ärzte-Shirt oder Dreadlocks, jeden der nicht deutsch, weiß und heterosexuell aussieht.
Am Samstag, 18. Juli wird es um 18 Uhr eine Demonstration am Bersarinplatz in Friedrichshain geben.
Faschistische Gewalt ist kein Problem, das der Staat, die Polizei und die bezahlten NGOs alleine lösen werden.
Es braucht eine starke Kultur der Gegenwehr – auch auf der Straße.
Bitte kommt am Samstag dort hin und leitet diese Mail weiter.
“Kein Platz für rechte Gewalt!”
Stellungnahme von Björn Böhning zum rechten Übergriff auf einen 22-jährigen Neuköllner in Friedrichshain am Sonntagmorgen, den 12. Juli 2009:
Kein Platz für rechte Gewalt! Der feige Angriff von vier rechten Schlägern auf einen 22-jährigen Neuköllner am vergangenen Sonntagmorgen in der Nähe des S-Bahnhofs Frankfurter Allee macht wieder einmal deutlich, dass wir den Kampf gegen Rechts entschieden und mit allen Mitteln führen müssen. Gemeinsam nicht nur in unserem Kiez, sondern überall. Ich verurteile die brutale Gewalttat aufs Schärfste und wünsche dem Opfer, dass es sich möglichst schnell wieder auf dem Wege der Besserung befindet. In unserem Kiez, in Berlin und ganz Deutschland ist kein Platz für rechte Gewalt, Rassismus und Diskriminierung!
Auch dieser feige Anschlag zeigt erneut: Der Kampf gegen rechte Gewalt muss kontinuierlich geführt werden. Ich setze mich daher für die Verstetigung der Bundesprogramme gegen Rechts ein. Damit die Arbeit dieser Initiativen, wie z.B. die mobilen Beratungsteams oder auch der Opferberatung, gesichert ist, muss eine Bundesstiftung für demokratische Kultur gegründet werden.
Ich hoffe, dass sich möglichst viele Berlinerinnen und Berliner dem Aufruf der „Initiative gegen Rechts Friedrichshain“ anschließen und am Montag, den 13. Juli 2009 zwischen 16 – 17.30 Uhr zum Tatort – dem Verbindungsweg zwischenS-Bhf und U-Bhf Frankfurter Allee – kommen, um Passanten mit Infomaterial über den Vorfall und die wiederholten Angriffe in unserem Kiez zu informieren!”




