Kreativwirtschaft als Motor für Friedrichshain-Kreuzberg
September 8, 2009 by ulricho
Filed under Allgemein, Positionen
Berlin und andere Städte in Deutschland ziehen Künstler und Kreative aus der ganzen Welt an. Die Wachstumsperspektiven in diesem dynamischen Sektor des Arbeitsmarkts sind hoch. Von der Literatur über die Architektur, von der Mode über den Film, von Games bis hin zu E- und U-Musik, zahlreiche Sektoren sind dieser Branche zuzuordnen. Die durchschnittlichen jährlichen Beschäftigungszuwächse lagen seit den neunziger Jahren bei vier bis fünf Prozent. Nahezu jeder fünfte Berliner Kreative arbeitet im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Bei den Künstlern ist es sogar jeder Vierte.
Die Beschäftigungsverhältnisse sind jedoch anders geprägt als in der klassischen Industrie. Hierin liegen Reiz und Risiko zugleich: die Beschäftigungen sind häufig befristet oder projektbezogen und seltener in feste, solidarische Strukturen wie Tariflöhne und Mitbestimmung eingebunden. Viele Künstler und Kreative betrachten dies als Chance zur Selbstbestimmung und Weiterentwicklung. Die Kehrseite ist: Zu viele Kreative und Selbständige müssen sich um ihr Auskommen und ihre soziale Absicherung Sorgen machen und sich gegen Unterbezahlung und Ausnutzung wehren.
Die Kreativwirtschaft ist aus meiner Sicht auch gesellschaftspolitisch bedeutsam. Sie bietet für das multikulturelle Kreuzberg vielfältige Chancen für den sozialen Aufstieg auch jenseits der formalen Angestelltenkultur. Noch stärker als in der Vergangenheit kann sie zudem als Brücke zwischen den Kulturen dienen und zur Entwicklung einer neuen gemeinsamen Identität in der Einwanderungsgesellschaft beitragen.
Mein Ziel ist nicht die Romantisierung von Friedrichshain-Kreuzberg und Prenzlauer Berg, sondern meine politische Verantwortung ist die nachhaltige Stärkung, Erhaltung und Entwicklung der Kreativwirtschaft in allen Teilen meines Wahlkreises. Daher setze ich mich dafür ein, dass
- die Solo-Selbstständigen, die keine Mittel aus der KSK erhalten, künftig besser abgesichert werden. Durch einen Sozialfonds, in den Auftraggeber 5,5% einzahlen.
- überdies die Künstlersozialkasse erhalten bleibt und noch ausgebaut wird.
- die vielen kleineren und mittleren Unternehmen der Kreativwirtschaft schnelle und kompetente Beratung durch Kreativzentren und Kulturmanager erhalten.
- eben diese in der Krise schnell und ohne riesige Bürokratie Mikrokredite erhalten. Damit Agenturen und Kreativunternehmen nicht sterben, wenn Aufträge in einem überschaubaren Zeitraum ausbleiben.
Franz Müntefering zu Besuch im Wahlkreis von Björn Böhning
September 3, 2009 by ulricho
Filed under Friedrichshain-Kreuzberg
Einen besonderen Gast begrüßte Björn Böhning am 02. September 2009 in seinem Wahlkreis: der SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering begleitete den Bundestagskandidat für Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg (Ost) auf einer Tour durch den Wahlkreis.
Zunächst besuchten die beiden SPD-Politiker das Betahaus in der Prinzessinninenstraße. Das offene Kreativhaus bietet auf rund 1000 qm Platz für kreative Freiberufler und junge Startups – vom Architekten über den Graphikdesigner bis hin zum Videokünstler.
Im Vordergrund der Gespräche mit den Jungunternehmern stand vor allem die Frage nach der sozialen Absicherung von Solo-Selbständigen. Zwar bieten Einrichtungen wie das Betahaus inzwischen auch für Selbständige ohne Mitarbeiter und mit kurzfristigen Projekten attraktive Arbeitsräume. Nach wie vor stellt sich die fehlende soziale Absicherung jedoch als großes Problem dar. Solo-Selbständige sind weder in Zeiten von Projektlosigkeit abgesichert, noch besteht eine ausreichen Vorsorge fürs Alter.
Björn Böhning wies deshalb noch einmal darauf hin, dass sich die SPD in Zukunft noch stärker für die Förderung von Solo-Selbständigen einsetzen muss. Dies betreffe nicht nur eine stärkere Einbeziehung von Alleinunternehmern in die Rentenversicherung und angesichts des häufig geringen Einkommens eine bessere staatliche Unterstützung bei der Finanzierung, sondern auch eine unbürokratischere Auszahlung von Mikrokrediten. Vor allem in der jetzigen Wirtschafts- und Finanzkrise helfen Mikrokredite dabei, auftragsschlechte Monate zu überbrücken und die Existenz zu sichern. Ohne eine Reform der sozialen Sicherungssysteme, die deutlicher auch die Bedürfnisse und Interessen der Solo-Selbständigen berücksichtigt, kann die prekäre soziale Situation dieser wachsenden Gruppe von Berufstätigen jedoch nicht dauerhaft verbessert werden, so Böhning weiter.
Im Anschluss an den Besuch im Betahaus diskutierte Björn Böhning gemeinsam mit Franz Müntefering im Café Smyrna in der Oranienstraße mit rund 20 Vertretern der türkischen Gemeinde.
Thematisiert wurde insbesondere die Frage, wie die Chancen sowohl für junge als auch ältere Menschen mit Migrationshintergrund verbessert werden können. Björn Böhning unterstrich hierbei, dass für ihn ein Bildungssystem der Schlüssel ist, das jedem Kind und Erwachsenen die Möglichkeit gibt, das Beste aus seinen Fähigkeiten zu machen, unabhängig vom Geldbeutel. Bildung müsse kostenlos bleiben – egal ob in der Kita, der Ausbildung oder der Uni!
Zugleich müsse sich die SPD noch stärker dafür einsetzen, dass Migranten einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt finden, insbesondere durch die erleichterte Anerkennung ausländischer Abschlüsse und unbürokratische Nachqualifizierungsmaßnahmen.
Björn Böhning machte deutlich, dass er als Bundestagskandidat der zunehmenden Desintegration in Deutschland entgegentreten will. In den Kindergärten müssen Sprachbarrieren eingerissen werden durch mehr Erzieherinnen und Erzieher mit Migrationshintergrund. Schüler müssen ebenfalls eine intensive Betreuung genießen können durch die Einführung von Sozialpädagogen in jedem Schul-Jahrgang. Schließlich sollen auch Erwachsene die Chance haben, durch dauerhafte Förderung sinnvoller öffentlicher Beschäftigung wieder ins Arbeitsleben zurückzufinden.








